Im Mai 2005 wurde mit der Aktion bike to work ein vor allem in Skandinavien erfolgreiches Projekt durch die IG Velo und MIGROS erstmals auch in der Schweiz lanciert: Es geht in dieser als Wettbewerb gestalteten Mitmachaktion darum, während eines Monats an mindestens der Hälfte der Arbeitstage das Velo auf dem Arbeitsweg zu nutzen. In einem ersten Schritt meldeten sich Betriebe für die Aktion an. Dann hatten die Mitarbeiter dieser Betriebe Gelegenheit, sich in Viererteams für den Wettbewerb anzumelden, wobei die Mitglieder eines Teams den Arbeitsweg unabhängig voneinander zurücklegen konnten. 21 MIGROS-Betriebe beschlossen, sich an der Aktion zu beteiligen. Rund 1600 Mitarbeitende aus diesen Betrieben meldeten sich für die Teilnahme an.
Dieses Pilotprojekt 2005 wurde vom Bundesamt für Sport (BASPO) und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Basel evaluiert: Die verantwortlichen Personen derjenigen MIGROS-Betriebe, die bei bike to work mitmachten, wurden telefonisch befragt, ebenso wie die Betriebe, die sich nicht für eine Teilnahme entschieden hatten. Schliesslich wurde mit 178 zufällig ausgewählten Mitarbeitenden, die sich angemeldet und mit 159 die sich nicht angemeldet hatten, ein Telefoninterview durchgeführt.
Die Koordinatoren der teilnehmenden Betriebe lobten die professionelle Organisation der Aktion. Der Aufwand war für sie angemessen, und die überwiegende Mehrheit würde eine erneute Teilnahme begrüssen. Es wurde angeregt, die Kampagne etwas später im Jahr zu beginnen (Anmeldung erst nach Weihnachten, Aktionsmonat nach Pfingsten), sowie die Teambildung zu erleichtern (kleinere Teams zulassen, Börsen anbieten). Die nicht-teilnehmenden Betriebe nannten vor allem andere Prioritäten und ungünstige Bedingungen für das Velo fahren als Gründe für die Nichtteilnahme.
Aus Sicht der Mitarbeitenden wurde die Gesundheitsförderung als häufigster Grund (39.9%) genannt, bei bike to work mitzumachen; ein zu langer Arbeitsweg dagegen war das meistgenannte Argument (46.7%) derjenigen Personen, die sich gegen eine Teilnahme entschieden hatten, obwohl die Velofahrt auch mit dem öffentlichen Verkehr kombiniert werden konnte. Die Akzeptanz der Aktion war ausgezeichnet, sogar unter den Nicht-Teilnehmern fanden 95% die Aktion sinnvoll oder eher sinnvoll. 80% der teilnehmenden und 71% der nicht-teilnehmenden Personen waren der Meinung, bike to work trage zur Imagewerbung für das Velo fahren bei.
Eine Hauptfragestellung der Evaluation war, wer durch eine solche Aktion zum Mitmachen motiviert werden kann. Es zeigte sich, dass sich Teilnehmer nicht unterschieden von Nichtteilnehmern, weder bezüglich Bildung, Nationalität oder Geschlecht. Einzig die mittlere (35-49 Jahre) Altergruppe war bei den Teilnehmenden etwas übervertreten, während die älteste Gruppe (50-62 Jahre) leicht untervertreten war. 45.2% der Mitarbeiter, die sich angemeldet hatten, waren als ungenügend aktiv einzustufen; bei den Nichtteilnehmern waren dies 55.7%. Nicht überraschend fuhr ein beträchtlicher Teil der Teilnehmer an bike to work bereits vor der Aktion mit dem Velo zur Arbeit. Bemerkenswert ist aber, dass 38.7% der teilnehmenden Personen das Velo vorher gar nicht benutzt hatten.
Fazit: bike to work geniesst eine ausgezeichnete Akzeptanz, sowohl bei Betrieben als auch bei den Mitarbeitenden. Alle Mitarbeitenden können gleichermassen erreicht werden. bike to work vermag auch inaktive Personen zu mobilisieren. Ein respektabler Anteil der Teilnehmenden hatte sich entschieden für die Aktion auf das Velo umzusteigen. Eine Verschiebung des Aktionsmonats um rund einen Monat könnte die Organisation erleichtern und potentiell mehr Teilnehmer bringen.