Projektziele
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Ziel des Forschungsprojektes ist eine anbieterorientierte Analyse der Wirtschaftlichkeitschancen von Regional/Lokalfernsehen in der Schweiz unter Berücksichtigung medienpolitischer Aspekte. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht sowohl eine Bewertung der ökonomischen Situation der Schweizer Regionalfernsehveranstalter als auch deren publizistische Leistung vor dem Hintergrund eines "service public regional". Dabei geht es auf der ökonomischen Ebene um eine Untersuchung der Kosten- und Ertragsstrukturen der Regional-TV-Anbieter und eine Abschätzung ihres Einnahmepotenzials im Hinblick auf die einschlägigen Vorschriften des Entwurfs einer Totalrevision des RTVG. Die Bewertung der gesellschaftlichen Leistung und der öffentlichen Funktion von Regional-TV erfolgt durch Kriterien, die die Gesamtleistung für einen Kommunikationsraum - nicht die Programmleistung an sich - evaluiert. Das Projekt wird von der Prognos AG (Basel) durchgeführt, die Projektleitung übernimmt Dr. Josef Trappel.
Regionales und lokales Fernsehen in der Schweiz weist Jahr um Jahr Defizite aus. Der Verband der Schweizer Regionalsender mit hoher Sendeleistung, Telesuisse, gibt den jährlichen Fehlbetrag aller Regionalsender mit 20-30 Millionen Franken an. Zur Zeit sind 18 Lokal- und Regional-TV-Veranstalter auf Sendung. Viele dieser Regionalsender gehören zu einem grösseren Medienhaus, Tele Züri z.B. zu Tamedia, Tele Südostschweiz zu der Gasser-Gruppe. Sprachregionales Fernsehen konnte sich bisher in der Schweiz nicht etablieren. Nach der Einstelung von Tele 24 und TV3 aus ökonomischen Gründen sind die Programme Star TV und Viva-Swizz die einzigen sprachregionalen/nationalen Privatfernseh-Programme in der Schweiz. Als Spartensender ist ihre Bedeutung im Zuschauer- und Werbemarkt aber eher gering.
Das neue RTVG i.d.F. der Botschaft des Bundesrates vom 18. Dezember 2002 sieht vor, Regional- und Lokal-TV durch Gebührensplitting zu unterstützen, um Fernsehen mit einem Service public Auftrag auch auf regionaler/lokaler Ebene zu ermöglichen. Konzessionen mit Gebührenanteil können an Veranstalter vergeben werden, die Gebiete ohne ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten (durch Werbezeitenverkauf, Sponsoring u.ä.) versorgen. Angestrebt wird eine effiziente Verwendung der Splitting-Gebühren. Gemäss der Botschaft des RTVG sollen zehn bis zwölf Lokal- und Regional-TV-Veranstalter Konzessionen mit Gebührenanteil erhalten.
Das vorgeschlagene Forschungsprojekt soll die Wirkungspotenziale des neuen RTVG ausloten. Ergebnis der Prognos-Analyse soll einerseits eine realistische, valide und weitgehend objektivierte Einschätzung der Leistungen sein, die Regional-TV zu erbringen in der Lage ist, und andererseits eine Abschätzung des Finanzierungsbedarfs, den die konzessionierten Veranstalter nicht durch Werbeeinnahmen abzudecken vermögen.
Bei der Bewertung der Funktionen und Leistungen des Regional/Lokal-TV kann Prognos auf ein praxisorientiertes Evaluierungssystem der Leistungsfähigkeit der Schweizerischen Fernsehlandschaft zurückgreifen, das 2000 gemeinsam mit dem Institut für Publizistik und Medienforschung der Universität Zürich vorgelegt wurde. Ziel des Modells war die Bewertung nicht nur der Programmleistung, sondern der Gesamtleistung der Veranstalter für die Schweizer Öffentlichkeit. Die Ergebnisse des Praxistests dieses Modells werden ebenfalls in das hier vorgeschlagene Projekt einfliessen.
Aufgrund der hohen medienpolitischen Bedeutung der vorgeschlagenen Untersuchung stellt Prognos neben der zielgerichteten Sekundäranalyse vorliegender Statistiken und Studien Face-to-Face-Befragungen der Schweizer lokalen/regionalen TV-Anbieter in den Sprachregionen in den Mittelpunkt der Untersuchung. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass neben den übergreifenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen auch die spezifischen Sichtweisen und unternehmerischen Handlungsoptionen der lokalen/regionalen TV-Anbieter in den einzelnen Verbreitungsgebieten berücksichtigt und bewertet werden.
Prognos kann bei der Umsetzung des vorgeschlagenen Projekts auf einschlägige Referenzen und Erfahrungen mit vergleichbaren Aufgaben zurückgreifen. Auf dieser Basis ist eine sorgfältige Abschätzung der Wirtschaftlichkeitschancen lokaler/regionaler TV-Angebote einschliesslich der damit verbundenen Analyse medienpolitischer Wirkungspotenziale bei gleichzeitig hohem Anspruch an Aktualität und Validität sichergestellt.
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