Abstract
(Deutsch)
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Tibiale Dyschondroplasie (TD) ist eine bereits seit längerem bekannte Juvenilerkrankung bei Broilern, Enten und Masttruten, welche sich in einem von der proximalen Epiphysenfuge ausgehenden, während der Wachstumsphase persistierenden Knorpelzapfen in er medialen Seite des Tibiotarsuskopfes manifestiert. Diese Störung des normalen Längenwachstums führt nachgewiesenermassen zu Verkrümmungen dieses Röhrenknochens und damit zu Veränderungen der Beinstellung und der Lokomotionsfähigkeit der Tiere. Eine erste Untersuchung im Rahmen diese Projektes sollte die Frage beantworten, ob auch weniger stark auf hohes Körpergewicht und überproportionale Vergrösserung der Brustmuskulatur gezüchtete Masttrutenhybriden unter der Erkrankung und den Folgeschäden leiden. Es wurden total 433 Tiere von 6 verschiedenen, alternativen Hybriden untersucht, welche alle bei einer maximalen Besatzdichte von 36.5kg/m2 in separaten Abteilen gehalten wurden. Erhoben wurden Daten zu Beinstellung und Lokomotionsfähigkeit der Tiere während der ganzen Mastdauer, sowie am Mastende (Alter 16 Wochen) Parameter zum Grad der TD und zum Biegungswinkels des Tibiotarsus in zwei Ebenen. Die Beinstellung veränderte sich bei allen Hybriden, ausser dem leichtesten, ab der 10 Woche erheblich. Schwerere Typen von ähnlicher Grösse zeigen dabei grössere Veränderungen als die leichteren. In einer frühen Phase treten vor allem X-beinige Tiere auf, später auch in geringerem Umfang O- und breitbeinige. Vor allem der Anteil letzterer Typen variiert zwischen den Hybriden stark (7-46%). Die mittlere Lokomotionsfähigkeit nahm, ausser wiederum beim leichtesten Hybriden, bei dem sie sich gar nicht veränderte, ebenfalls ab der 10. Lebenswoche ab. Zum Schlachtzeitpunkt konnten jeweils nur noch zwischen 0 und 12% der Tiere als normal beurteilt werden. Schwerere Behinderungen der Lokomotion (> Grad 2) wurden aber nur bei wenigen Einzeltieren festgestellt. Die TD-Häufigkeit war bei allen untersuchten Trutenhybriden äusserst hoch und lag zwischen 92 und 100%. D.h. nur gerade einige wenige Knochen wiesen im Schlachtalter von 16 Wochen keinerlei Spuren von TD auf. Beachtliche Unterschiede zwischen den Hybriden bestanden aber in der mittleren Grösse der Knorpelzapfen. Während der leichteste Hybrid zu 98% Veränderungen mit Grad 0-1 aufwies, zeigten die anderen fünf zwischen 49 und 87% Läsionen mit Grad 2-5. Der Anteil der Veränderungen mit Grad 4-5 lag bei ihnen zwischen 9 und 34%. Bei vergleichbarer Grösse zeigten leichter gebaute Hybriden eine etwas geringere mittlere Läsionsgrösse als schwere Typen. Das selbe Bild ergab sich bei der Biegung der Knochen in latero-medialer bzw. in antero-posteriorer Richtung. Die Verbiegungen waren bei schwereren Hybriden grösser als bei den leichteren. Die Knochen des leichtesten Hybrids waren alle uniform und in beiden Ebenen wenig verbogen. Bei den anderen Hybriden zeigte es sich, dass je grösser die TD-Läsion war, der Knochen umso stärker in medialer oder posteriorer, oder aber in beiden Richtungen zugleich verbogen war. Es konnte gezeigt werden, dass sogar sehr leichte Trutenhybriden das Krankheitsphänomen der tibialen Dyschondroplasie in sehr hohem Ausmass zeigen. Die Frage, ob es sich bei der TD um eine bei Truten artspezifische Erscheinung in der Individualentwicklung handelt, muss daher gestellt werden. Andererseits konnte aber auch gezeigt werden, dass Folgeerscheinungen der TD, wie die Verbiegung des Tibiotarsus, umso stärker auftreten, je grösser und schwerer die Tiere werden, und je mehr das Wachstum speziell der Brustpartie betont ist. Der Einfluss der Zucht auf hohes Körpergewicht und grossen Brustmuskelanteil auf die Ausprägung der Krankheit scheint gegeben.
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