Im Rahmen einer nachhaltig umweltgerechten Transportpolitik fördert die EU den Ausbau des Eisenbahnsystems in Europa mit dem Ziel, künftig einen wesentlich höheren Anteil des Reise- und Güterverkehrs auf der Schiene abzuwickeln. Unter dem Titel European Rail Traffic Management System (ERTMS) sind verschiedene Projekte zur Verbesserung der Arbeitsmethoden und Systeme im Bereich der Steuerung und Lenkung des Eisenbahnverkehrs lanciert worden. Das Projekt Optirails ist hierarchisch auf Ebene der weiträumigen Lenkung des Eisenbahnverkehrs d.h. in die Ebene zwischen der Planung und der operativen Steuerung anzusiedeln (European Traffic Management Layer ETML).
Ziel von Optirails ist die Verbesserung der Verkehrsabwicklung auf grenzüberschreitenden Eisenbahnkorridoren. Hierzu werden in Echtzeit konsistente und präzise Daten über den reellen Verkehrsablauf erfasst und den geplanten Soll- Werten gegenübergestellt. Bezüglich der Einflussnahme auf den traditionell national gesteuerten Verkehr wird zwischen vier Optionen unterschieden welche von einer Ist- Datenerfassung mit Berichterstattung nach erfolgten Transporten bis hin zur zentralen laufenden Echtzeit- Steuerung des Verkehrs über den ganzen Korridor reicht. Als Modellfall für die Optirails II- Untersuchungen wurde der Korridor von Karlsruhe über Basel und den Gotthard nach Mailand gewählt.
Die SBB verfügen seit mehreren Jahren über ein hochinformatisiertes nationales Betriebsleitsystem mit dem Kernsystem SURF (système unifié pour la régulation du traffic ferroviaire). Dieses verfolgt in Echtzeit den Lauf aller Züge im SBB- Netz, vergleicht diesen mit dem Soll- Fahrplan und stellt den Disponenten automatisch Entscheidungshilfen und unterstützende Informationen zur Steuerung des Verkehrs in mehr oder weniger gestörten Betriebslagen zur Verfügung. Der Zu- und Ablauf von Zügen von Nachbar- Bahnnetzen wird auf einigen Strecken bereits ausserhalb der Schweiz rein informativ erfasst. Für die SBB als Bahn mit grossem Anteil an Transitverkehr ist das Projekt Optirails von hohem Interesse, insbesondere auch deshalb, weil der Modell- Korridor durch die Schweiz führt. Im Laufe der Projektabwicklung erwies sich das System SURF als sehr gut geeignet, um die für Optirails benötigten Daten für den schweizerischen Anteil des Modellkorridors zu generieren.
Alle wesentlichen Informationen und Fakten zum Projekt Optirails sind auf der Internet Website
http://www.optirails.com abrufbar. Einen guten Ueberblick gibt auch die beiliegende Newsletter Nr. 4.
In Anbetracht der begrenzt verfügbaren personellen Ressourcen beschränkte sich die SBB auf gezielte Experten- Beiträge in Anwender- spezifischen Bereichen. Dazu zählt die Definition von Rückfallszenarien bei Ausfall des Optirails, die Definition der Rolle von Optirails im ETML und der Beziehungen zwischen den beteiligten Akteuren sowie die Spezifikation der von den Infrastrukturbetreibern vorzuhaltenden Daten. Im weitern stellte die SBB SURF- Hardware und Software für die Realisierung eines funktionalen Demonstrators zur Verfügung. Auf Ebene der Gesamtprojektführung engagierte sich die SBB mit Reviews und Verbesserungsvorschlägen an Koordinationssitzungen sowie mit Beiträgen zur Bekanntmachung der Ziele und bisher erreichten Ergebnisse von Optirails bei anderen europäischen Bahnen. Diesen Bemühungen ist mitzuverdanken, dass sich heute ein grosser Teil der europäischen Bahnen mit Optirails identifiziert und keine Projekte mehr bearbeitet werden, welche diesem zuwiderlaufen.
Ende April 2002 sind die Arbeiten für alle Optirails- Arbeitspakete, Erstellen von funktionalen und technischen Spezifikationen sowie eines funktionalen Demonstrator, zur Zufriedenheit des Auftraggebers abgeschlossen worden. Dies hat die GD TREN der EU bewogen, die Arbeiten in einem weiteren, breit abgestützten Projekt 'Euro- Optirails' weiterzuführen, wofür ein neues Konsortium gebildet wurde, an dem sich die SBB voraussichtlich wiederum beteiligt.