Der Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit lag in der Erschliessung von Methoden und Technologien, welche eine substantielle Zusammenarbeit der Fachexperten bei der Entscheidungsunterstützung ermöglichen. Hierbei wurden erhebliche Fortschritte gemacht.
Die grösste Herausforderung für die Experten und Entscheidungsberater während eines Krisenmanagements ist bekanntlich die Abschätzung und Beschreibung der Einwirkungen (Impacts) neu eingetretener, hypothetischer oder erwarteter Ereignisse auf alle Teile unseres Versorgungssystems.
Bei der diesbezüglichen Zusammenarbeit gibt es kreative Phasen bzw. Arbeiten, die sich im Voraus schlecht strukturieren lassen, und Arbeiten wie etwa die Spezifikation der Systemeingaben, die sich gut strukturieren lassen. Für beide Formen der Kooperation – kreative und strukturierte – wurden entsprechende Systeme entwickelt. In der Kooperations- und Kollaborationsplattform Groove Virtual Office kann synchron und asynchron[1] und auf Distanz an offenen, kreativen Aufgaben zusammengearbeitet werden. In DDSS-ESSA kann die Spezifikationsarbeit effektiv und effizient erledigt werden. Diese so genannte Spezifikation der „Umwelteinflüsse“, der veränderten Aufgaben, Zielsetzungen und Vorgaben (Vorwegentscheide) kann nunmehr baukastenartig vorgenommen werden, indem früher erarbeitete Spezifikationen wieder verwendet, ausgetauscht, modifiziert und mit Spezifikationen anderer Experten ausgetauscht und kombiniert werden können. Die Qualität der Spezifikationen kann bei gleichzeitiger Reduktion des Spezifikationsaufwands erheblich gesteigert werden. Die Versorgungssimulationen werden zuverlässiger (realitätsnäher). Das methodisch und technologisch grundlegende Problem, Spezifikationen auf mehreren Computern einzugeben, darzustellen und anzuwenden, wurde hervorragend gelöst. Der Austausch von formalisiertem Wissen zwischen Anwendern und Anwendungsfällen funktioniert auf allen Ebenen (Anwenderebene, Fachebene) bestens.
Die Kooperation wurde in den Anwenderseminaren 2006 ansatzmässig geübt. Hier stehen wir aber erst am Anfang! Die ICT-gestützte (virtuelle) Zusammenarbeit ist für die meisten Anwender Neuland und erfordert einen sukzessiven Verhaltens- bzw. Kulturwechsel in der Arbeitsmethodik. Der Anteil der On-line-Arbeit und der virtuellen Zusammenarbeit wird in den kommenden Jahren stetig zunehmen.
[1] Synchron steht für gleichzeitig. Unter asynchron versteht man eine zeitlich versetzte Zusammenarbeit, wobei die Unabhängigkeit jedes Teilnehmers von der gleichzeitigen Präsenz der anderen Teilnehmer im Vordergrund steht.